21 junge Musikantinnen und Musikanten aus der Region verbrachten vier intensive Tage im ersten gemeinsamen Jugendmusiklager in Wildhaus. Hinter dem Projekt stehen acht Musikvereine, die mit vereinten Kräften in ihren Nachwuchs – und damit in ihre eigene Zukunft – investieren.
Die Idee für das Projekt entstand aus einer Situation, die viele Musikvereine kennen: In den einzelnen Vereinen und Jugendformationen musizieren oftmals nur wenige Jugendliche. Der Wunsch war deshalb, den Nachwuchs aus der Region zusammenzubringen und ihm die Möglichkeit zu geben, einmal in einer grösseren Formation zu spielen. Ursprünglich war dabei noch gar nicht zwingend an ein Lager gedacht. Auch ein regionaler Zusammenzug mit einem gemeinsamen musikalischen Ziel stand zur Diskussion. Schliesslich entschied sich die Projektgruppe für ein Lager in Wildhaus.
«Uns war wichtig, dass die Jugendlichen erleben können, wie es ist, in einer grösseren Formation zu musizieren», sagt Susanne Wickli, welche die musikalische Hauptleitung übernahm. Dabei ging es nicht allein um die musikalische Weiterentwicklung. Gemeinsam etwas zu erreichen, neue Kontakte zu knüpfen und vor allem die Freude am Musizieren zu fördern, waren ebenso wichtige Ziele. Beteiligt waren Musikvereine aus Aadorf, Bichelsee-Balterswil, Dussnang, Ettenhausen, Fischingen, Münchwilen, Sirnach und Wilen. Die 21 Teilnehmenden waren zwischen 8 und 15 Jahre alt. Neben Wickli gehörten Michael Herzog und Tina Egger zum musikalischen Leitungsteam, unterstützt von René Egli als Registerleiter. Für die organisatorische Lagerleitung war Ralph Sauter verantwortlich.
Viel Musik – aber nicht nur
Der Tagesablauf hatte es durchaus in sich. Nach der Tagwache um 7.30 Uhr standen Gesamt- und Registerproben auf dem Programm, am Nachmittag wurde weitergearbeitet. Auch kulinarisch kamen die Jugendlichen nicht zu kurz. Das engagierte Küchenteam verwöhnte die Lagerschar mit feinem Essen und sorgte damit für die nötige Stärkung zwischen den Proben. Nach dem Nachtessen gehörte die Zeit dann dem gemeinsamen Abendprogramm. Spiele und eine Lagerdisco sorgten dafür, dass neben den Noten auch der Spass nicht zu kurz kam. Gerade diese Aktivitäten entwickelten eine besondere Dynamik. «Von Tag zu Tag entstand ein immer stärkerer Zusammenhalt», blickt Sauter zurück. Für Abwechslung sorgte auch der Ausflug auf das Gamplüt. Bei herrlichem Wetter ging es zu Fuss bergauf und mit Trottinetts wieder talwärts.
Beim Abschlusskonzert zeigten die Jugendlichen nicht nur, was sie musikalisch erarbeitet hatten, sondern sorgten auch für einige Überraschungen. Neben klassischer Blasmusik begeisterten sie mit Gesang und Boomwhackers. Die Idee dazu stammte von Tina Egger. «Wir wollten damit bewusst etwas Abwechslung ins Programm bringen», erklärt sie. Noch spontaner entstand der Tanz zu «Cotton Eye Joe». Nachdem während der Lagerdisco ausgiebig getanzt worden war, wurde die Einlage kurzerhand am letzten Tag ins Konzertprogramm aufgenommen. «Es war eindrücklich zu sehen, wie schnell sich die Formation weiterentwickelt hat», sagt Wickli. Für sie war das Konzert der gelungene Abschluss der intensiven Probenarbeit.
Nachwuchsarbeit braucht Engagement
Hinter dem Lager steckt mehr als ein gelungenes verlängertes Wochenende. Für die beteiligten Vereine ist die Nachwuchsarbeit eine wichtige Voraussetzung dafür, dass auch in Zukunft in den Dörfern gemeinsam musiziert wird. Dafür braucht es finanzielle Mittel, Unterstützung aus dem Umfeld und vor allem Menschen, die bereit sind, Zeit und Freizeit in die Jugendarbeit zu investieren. Getragen wurde das Lager von einer breit abgestützten Projektgruppe und zahlreichen weiteren Helferinnen und Helfern, die in der Vorbereitung und während der vier Tage viel Zeit investierten. Auch die Unterstützung durch Sponsoren leistete einen wichtigen Beitrag zur Durchführung des Lagers. Dass sich dieser Einsatz gelohnt hat, zeigte sich nicht nur musikalisch. Besonders die Hilfsbereitschaft der Jugendlichen sei aufgefallen, erzählt Sauter. Es sei ohne grosses Aufheben mit angepackt und geholfen worden. Trotz «Jubel, Trubel und Heiterkeit» hätten Respekt und Anstand gegenüber den Leitenden nie gefehlt. «Das hat uns sehr gefreut.»
Ganz ohne Verbesserungspotenzial ging die Premiere dennoch nicht über die Bühne. Mit 21 Teilnehmenden blieb die Zahl etwas unter den erhofften 25 bis 30 Jugendlichen. Bei einer grösseren Gruppe könnten künftig einzelne Stücke in unterschiedlichen Formationen erarbeitet und damit besser auf verschiedene musikalische Stärkeklassen eingegangen werden. Ob es tatsächlich ein nächstes Jugendmusiklager geben wird, ist noch nicht definitiv entschieden. Die Verantwortlichen wollen dies an ihrer Abschlusssitzung in den kommenden Wochen besprechen. Die Reaktionen der Jugendlichen dürften dabei zumindest ein gutes Argument für eine Fortsetzung sein. Bei der Verabschiedung hätten sich die Teilnehmenden herzlich bedankt, erzählt Sauter. «Da waren die strengen Tage schon wieder vergessen.» Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis dieser vier Tage: Wer möchte, dass die Musikvereine auch morgen noch von sich hören lassen, muss heute in diejenigen investieren, die sie einmal weitertragen sollen.
Autor: Martin Meile, Ralph Sauter
Bilder: Christian Weber


